Vergleich von Studien zu Klimaneutralität

Wie kann Klimaneutralität gelingen? Mit dieser Frage haben sich in den vergangenen Jahren fünf große Studien auseinandergesetzt. Die verantwortlichen Institutionen stellen nun in der gemeinsamen Publikation „Vergleich der Big 5-Klimaneutralitätsszenarien“ die Szenarien ihrer Studien einander gegenüber. Ziel ist, die jeweiligen Ergebnisse einzuordnen und den Diskurs zu fördern.

In den Vergleich gingen die dena-Leitstudie „Aufbruch Klimaneutralität“,  „Klimapfade 2.0“ des Bundesverbands der Deutschen Industrie, „Klimaneutrales Deutschland 2045“ von Stiftung Klimaneutralität, Agora Energiewende und Agora Verkehrswende, „Deutschland auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045“ des Kopernikus-Projekts Ariadne sowie die „Langfristszenarien“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) ein. Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung äußert sich zur Veröffentlichung: „Dieser Vergleich ist für die weiteren Diskussionen sicher hilfreich. Es lassen sich einige Tendenzen ablesen, beispielsweise zur Rolle einzelner Technologien und Energieträger.“ Auf Grund der Komplexität der Studien und ihren verschiedenen Forschungsmethoden und Herangehensweisen lassen sich jedoch nicht alle Punkte übertragen und vergleichen. „Wer also tiefergehende Erkenntnisse gewinnen will, muss sich intensiv mit den einzelnen Studien selbst befassen“, so Kuhlmann.

Die Ergebnisse kurz und knapp

Das Ziel, den Treibhausgas-Ausstoß bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 2019 zu verringern, wird laut allen Studien erreicht. Der Endenergieverbrauch sinkt in allen erarbeiteten Szenarien bis zum Jahr 2030 um rund 20 Prozent und bis 2045 um rund 45 Prozent. Strom soll bis 2045 der gefragteste Energieträger sein. Einigkeit besteht auch darin, dass die Energieeffizienz verbessert werden muss. Laut den Studien liegt die mittlere Gebäude-Sanierungsrate bis 2030 zwischen 1,4 und 1,6 Prozent. Deutliche Unterschiede gibt es in den Studien, sobald es darum geht, wie diese Ziele erreicht werden. Sie gehen beispielsweise von unterschiedlichen realisierbaren Pfaden beim Ausbau der verfügbaren Technologien zur Wärmeerzeugung aus. Das gilt insbesondere für Wärmepumpen und für leitungsgebundene Wärme. Alle Studien sind für den Einsatz von CO2-frei hergestelltem Wasserstoff, bewerten die Bedeutung von Wasserstoff jedoch unterschiedlich und sind über Art der Erzeugung und Importmöglichkeiten sind die Studien uneins.  „Der Vergleich der fünf großen Studien bietet eine erste Übersicht“, fasst Andreas Kuhlmann zusammen. „Keiner der dargestellten Transformationspfade ist der eine, richtige Weg. Es gibt viele Möglichkeiten und Unwägbarkeiten auf dem Weg zur Klimaneutralität. Das zeigt uns gerade die aktuelle, dramatische geopolitische Lage mit dem Krieg in der Ukraine und Deutschlands Bestrebungen, die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten aus Russland rasch zu mindern. Wir müssen also offenbleiben, für alle positiven wie negativen Entwicklungen, die uns noch begegnen werden.“